Thema Inzucht - Was ist das und wie viel darf sein?

Inzucht und Inzuchtwert (auch: Inbreeding, Inzuchtkoeffizient)

Ohne ein gewisses Maß an Inzucht gäbe es keine Rassen – egal, ob es sich hierbei um Katzen, Hunde, Pferde o. a. handelt.

Inzucht oder auch Verwandtenverpaarung ist bei der Entstehung jeder Rasse vorhanden und auch notwendig, damit bestimmte rezessive (verdeckte) Merkmale wie Farbe, Felllänge, Typ oder andere genetische Merkmale zum Vorschein kommen.
Nur durch eine gewisse genetische Einheit können bestimmte rassetypische Merkmale gefestigt werden.
Am Anfang jeder Rassekatze steht daher ein ziemlich hoher Inzuchtwert.
Erst im Laufe der Zeit ist es möglich, durch Einkreuzen fremder Blutlinien den Inzuchtwert wieder etwas hinunterzudrücken.
Es braucht allerdings viel Fingerspitzengefühl, damit der Look einer Rassekatze trotz dieser Einkreuzung nicht verloren geht.

 Je höher der Inzuchtgrad der Zuchttiere ist, desto höher das Risiko, dass unerwünschte Merkmale (z.B. Erbkrankheiten) durch Verwandtenverpaarung verstärkt werden.

Auch wenn also das Positive (z. B. das Aussehen, große Ohren usw.) durch Inzucht verstärkt wird, verstärken sich ebenso negative Eigenschaften.

 Ein simples Beispiel zum leichteren Verständnis:

Katze „Miezi“ und Kater „Burli“ sind Halbgeschwister. Das heißt, sie haben beide die gleiche Mutter, aber verschiedene Väter.
Die Mutter trägt ein defektes Gen, welches krank macht und welches sie sowohl an die Tochter „Miezi“, als auch an den Sohn „Burli“ weitervererbt hat.
Das heißt nun, dass beide Kinder dieses eine defekte Gen tragen, aber noch nicht in Form einer Erkrankung zeigen müssen.
Verpaart man nun diese beiden Halbgeschwister miteinander, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass beide Tiere jeweils ihr defektes Gen an ihre Nachkommenschaft weitergeben und es dadurch zu einer schlimmeren (reinerbigen) Ausprägung der Erkrankung bei den Jungtieren kommt.

Sie sehen, es ist also auch für den Laien nicht ganz so unwichtig, ein bisschen etwas über seine Tiere zu wissen.
Daher sollten Sie im Übrigen auch immer darauf achten, eine Rassekatze mit Stammbaum zu kaufen, denn nur so können Sie Verwandtschaftsverhältnisse deutlich erkennen.

Doch nicht immer sind enge Verpaarungen schlecht - aber nur, wenn sie von erfahrenen Züchtern durchgeführt werden, denn dadurch sieht der Züchter auch, was in seinen Linien steckt und kann so eventuell verborgene Krankheiten aufdecken.
Ein Unerfahrener kann mit extrem engen Verpaarungen großen Schaden anrichten und die Leid tragenden sind dann die Tiere, die missgebildet oder krank auf die Welt kommen.

Nicht umsonst heißt ein wichtiger Grundsatz in der Zucht:

„Inzucht in der Hand des Laien ist wie eine Rasierklinge in der Hand des Affen“